Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

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Raro
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Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von Raro » Freitag 3. Dezember 2010, 13:12

Hallo, mein Name ist Raro und ich weiß auch gar nicht ob ich hier so wirklich richtig bin. Ich will es trotzdem einmal versuchen.
Ich bin 51 Jahre alt und von Geburt an neuapostolisch. Ich fühlte mich über Jahre in meinen Glauben wohl. Habe sehr früh das Unterdiakoenamt bekommen, dann das Diakonenamt und wenig später das Priesteramt. Wir waren eine ganz normale neuapostolische Familie die Ende der 80 ziger Jahre mit der Geburt unseres Sohnes komplett wurde.
Einfach ein ganz tolle neuapostolische Familie. Mit der Scheidung von meiner Frau, bei der ich sehr große Fehler gemacht habe, hatte ich gespürt das Nächstenliebe und Vergebung leider leicht gepredigt werden aber in der Umsetzung im realen Leben so gut wie keinen Platz haben. Ich habe die volle Strenge meiner damaligen Segensträger gespürt und habe erleben müssen was es heißt nicht mehr im Glaubensgehorsam zu stehen. Gerade da, wo ich die Segensträger am meisten gebraucht hätte bin ich in Ungnade gefallen.
Von heute auf morgen war mein ganzes soziales Umfeld zerbrochen.
Ich konnte und wollte einfach nicht glauben dass, das alles der Heilige Geist ist der sich so offenbart.
Ich habe geglaubt was gepredigt wurde. Ich glaube an einen Schöpfergott, an die Geburt Jesu Christi als Gottessohn, der aufgefahren ist gen Himmel und der wieder kommt um die Seinen zu sich zu holen, und mit ihm und Gott einmal in einer neuen Welt zu leben.
Was ich jetzt aber nicht mehr weiß, und was mich absolut unsicher und unglücklich macht, erreiche ich diese Glaubensziel, was ja in der Bibel auch so beschrieben ist, in den Reihen der neuapostolischen Kirche.
In meiner Kindheit wurde viel über „Kuhlen“ gesprochen. Ein Apostel des Herrn der abgefallen ist und was noch viel schlimmer ist, der eine ganze Menge von GOTTESKINDERN mit sich gezogen hat. Vor einigen Tagen ist mit ein Dokument im Internet auf gefallen wo Apostel Kuhlen den damaligen Stammapostel an geschrieben hatte und um seine Entbindung des Stammapostelhelfer Amtes bat. Es war so nett und ohne jeglichen unfreundlichen Unterton geschrieben so dass ich ein ganz anderes Bild vom Apostel Kuhlen bekam. Ich fing an zu suchen und mehr zu erfahren über Apostel Kuhlen und war überrascht was dieser Mann alles erleben musste. Heute würde man sagen er ist aus seinem Amt raus gemoppt worden. In aller Bescheidenheit hat er sein Amt wieder zurück gegeben. Kein Vorwurf kein böses Wort. Ich konnte sofort ohne ein zögern daran glauben unter welchen Umständen er das Stammapostelhelferamt bekam. Für mich war das eindeutig der WILLE Gottes.
Nun sehe ich das Stammapostel Amt in einem ganz anderem Licht. Je tiefer ich mich informiert habe umso erschrockener wurde ich. Ich darf mit ehrlichem Herzen sage, ich wollte nichts Schlimmes finden, ich habe nichts gesucht was man meiner Kirche vorwerfen könnte. Ich hab Gott gesucht. Und das ist jetzt mein ganz großes Problem.
Wo find ich Gott? Wo ist der schmale Weg? Wo ist der Weg der mich zur 1. Aufererstehung bringt? Wo komme ich hin wenn meine Zeit hier auf Erden abgelaufen ist? Wo finde ich die Seelsorger die wirklich ihren Namen zu Recht tragen.
Wo offenbart sich heute Gott für mich?
Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen das ich hier die Zeilen schreibe, ich habe Angst dass sich Gott dadurch von mir wegdreht. Aber Gott muss doch auch sehen dass ich ihn wirklich suche? Ich gehe noch zu den Gottesdiensten. Ich erlebe jedoch die Gottesdienste nicht mehr so wie früher. Ich freue mich wenn ich einen Ap. Gottesdienst mit erleben darf, aber das Lobhudeln der Amtsräger die mit zum Dienen heran gezogen werden wiedet mich an. Mich hat es zu meiner Amtstätigkeit schon immer gestört mit welchem Aufwand ein Gottesdienst des Apostels vorbereitet wurde. Die Kirche wurde auf Hochglanz gebracht, ein besonderer Raum wurde vorbereitet und es gab die Lieblingsschnittchen des Apostels.
Für mich war es genauso schön wenn auch NUR ein Unterdiakon mit gepredigt hatte.
Vielleicht ergeht oder erginge es hier im Forum auch jemanden so, vlt. Kann mir jemand helfen. Ich WILL den Weg finden der mich zu Gott und seinem Sohn bringt.
Wo ist aber dieser Weg???

Bitte entschuldigt meine Rechtschreibung!!!

Volker
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Re: Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von Volker » Freitag 3. Dezember 2010, 16:01

Hallo Raro,

zunächst herzlich Willkommen hier bei uns im Forum.

Du schreibst ganz offen über deine Gefühlslage und Empfindungen. Dies erfordert in einem offenen Forum schon recht viel Mut und deshalb antworte ich dir gerne hier und biete dir aber auch direkt an, ggf. per privater Mail zu korrespondieren, damit - wenn du das wünscht - nicht alles "öffentlich" ausgetragen wird.

Du schneidest zwei Themen in deinem Beitrag an: 1) Apostel Kuhlen und die Trennung von der NAK und 2) deine persönliche Situation und Suche nach Gott.

Zu dem ersten Thema möchte ich mich hier jetzt gar nicht äußern, da gibt es im Internet in den verschiedenen Foren und Seiten genügend Informationen, um sich ein Bild zu machen.

Viel wichtiger ist das zweite Thema! Wo findest du Gott?

Dazu möchte ich dir zunächst sagen, auch wenn das vielleicht etwas platt klingen mag: in der Heiligen Schrift und im Gespräch mit ihm d.h. im Gebet. Unser Düsseldorfer Jugendchor singt ein ganz tolles Lied, in dem es heisst: "... in der heiligen Schrift suche und finde ich dich." Auch das Zwiegespräch mit Gott ist sicherlich wichtig, sich ihm anzuvertrauen und seine Nöte und Sorgen vorzutragen. Das kann schon eine gewisse Erleichterung bringen. Weiterhin ist es natürlich sehr gut, wenn man mit jemanden darüber reden/schreiben kann, so wie du es hier ja versuchst.

Eins kann ich dir jedenfalls gewisslich zurufen: Gott hat dich sicherlich nicht verlassen und er sieht sicher dein Bemühen, ihn zu finden. Auch wenn das vielleicht für dich im Moment etwas schwer zu verstehen scheint. Gott und sein heiliger Geist, der ja unser Leben leiten will, sind immer da und um uns, wenn wir es zulassen und er bindet sich nicht an eine bestimmte Kirche oder Konfession, egal wie sie sich auch nennen mag; ob katholisch, evangelisch, apostolisch oder neuapostolisch. Die Bibel sagt uns, dass wer sucht auch finden wird und das völlig unabhängig von bestimmten Kirchenordnungen, Kirchenämtern, Sakramenten etc. All das ist sicherlich hilfreich und wir Menschen brauchen solche Ordnungen auch als Leitplanken für unser Leben und Glaubensleben, sie sind aber nie und nimmer der Ersatz für das Wirken Gottes bzw. die einzige Möglichkeit ihn zu erleben. Ich hoffe, ich kann mich hier verständlich ausdrücken.

Du hast von deiner Scheidung gesprochen, die dazu führte, dass dein soziales, gemeindliches Umfeld "zusammenbrach". Dies ist zunächst nur menschlich und hat erstmal nichts mit Gott zu tun. Traurig ist natürlich, dass sich hier Menschen abgewandt haben, die dir hätten beistehen sollen, die sonntäglich in die Kirche gehen, Vergebung feiern, aber selbst solche nicht an ihren Mitgeschwistern üben.

Ich weiss nicht, wo du her bist bzw. wo du wohnst und ob sich ggf. eine unserer Gemeinden in der Nähe befindet. Ich würde dir aber raten - und du fragst ja quasi auch danach - einen Seelsorger und Gesprächspartner in deiner Nähe aufzusuchen. Das muss nicht in unserer Gemeinde sein, es kann sicher auch in einer katholischen oder evangelischen oder sonstigen Kirche die "gesuchten wahren Seelsorger" geben. Da wird man ggf. suchen müssen, so man bei körperlichen Leiden vielleicht auch mehrere Arztbesuche machen muss, bis man jemanden des Vertrauens findet.....

Liebe Grüße,
Volker

christoph

Re: Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von christoph » Mittwoch 8. Dezember 2010, 00:38

Hallo Raro,

auch von mir ein herzliches Willkommen ... gleichzeitig aber auch Respekt und Dankbarkeit, dass Du diesem Forum so viel Vertrauensvorschuss entgegenbringst und so viel Details aus Deiner jetzigen Situation preisgibst.

Ein schlechtes Gewissen brauchst Du sicherlich nicht haben, und wenn sich Gott wegen Deiner Zeilen wegdrehen würde, dann würde ER sich selber untreu, der uns versprochen hat: "wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR" (Jeremia 29,13.14) ... und das gilt heute ganz genau so.

Stellt sich die Frage: WO??? Wo soll ich suchen? Wo habe ich gute Chancen, IHM zu begegnen? Und da stellt sich mir - auch mir persönlich - immer wieder eine andere Frage: suche ich tatsächlich IHN? Oder suche ich mehr eine Bestätigung, wie ich IHN mir vorstelle, wie Gott nach meinem Dafürhalten zu wirken hat, wie die Auswirkungen des Geistes meiner Meinung nach sichtbar werden müssten? Das sind keine trivialen Fragen! Zu Jesu Zeiten gab es ganz bestimmte Vorstellungen über den Messias ... und diese Vorstellungen wurden bei der Konfrontation mit der real gewordenen Liebe Gottes in Christus Jesus erst einmal bitterlich enttäuscht. Nur diejenigen, die bereit waren, hinter ihre Erwartungen zu schauen, die konnten Christus wirklich erleben. - Und wir müssen heute genau so aufpassen, ob wir nicht unseren eigenen Erwartungen herjagen ... oder ob wir bereit sind, IHM zu begegnen. Vielleicht an ganz anderen Orten und unter ganz anderen Umständen, wie wir es erwartet hätten.

Volker hatte ein Lied erwähnt, mir fällt ein weiterer Liedtext (von Manfred Siebald) ein:

"Mancher findet Gottes Leute
nicht, wo er sich auf sie freute,
doch sie sind ihm sicher gar nicht fern -
manchmal nicht in großen Zahlen,
manchmal nicht in Kathedralen,
aber immer in der Nähe ihres HERRN."

"In der Nähe ihres HERRN" - Gottes Nähe suchen, das ist es, das muss es doch sein! Und das kann ich in Versammlungen, im Gottesdienst, im Sakrament, im Miteinander, im Gebet, in der Bibellese ... erleben.

Ich persönlich stelle immer wieder etwas Merkwürdiges fest:

Es kommt nicht auf das Suchen an - sondern auf das Sich-Finden-Lassen.

Es hängt viel von mir selber ab, ob ich bereit bin, mich von IHM finden zu lassen.
Ob ich bereit bin, IHN so zu erleben, wie ER mir begegnen will.
Und nicht so, wie ich es mir vorstelle ... oder gar von IHM erwarte!!

Ich wünsche DIr, den Mut zu haben, Gott zu begegnen. Nicht Deinen Vorstellungen oder Erwartungen von IHM. Sondern IHM selber. Die persönliche Stille und das Gebet können da eine große Hilfe sein. Und der Widersacher weiß schon, warum er uns so viel Unruhe ins Leben und ins Herz schickt ...

Ich finde die Begegnung Elias mit Gott am Horeb sehr eindrücklich (1. Könige 19). Gott verspricht, an Elia vorüberzugehen. Es passieren Dinge, die wir mit Gott schnell in Verbindung bringen: ein großer, starker Wind ... ein Erdbeben ... ein Feuer ... und immer heißt es: "aber der HERR war nicht im (Winde/Erdbeben/Feuer)". "Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus (...)". Gott kommt zu Elia, um Sein Versprechen der Begegnung einzulösen. Er erscheint NICHT, wie wir es vielleicht erwartet hätten. Und ... Elia erkennt IHN!!! Keine Ahnung, wie ... aber er nimmt die Gegenwart Gottes wahr, auch wenn ER nicht so erscheint, wie wir es uns menschlicherseits vielleicht vorstellen würden.

Das wünsche ich Dir auch: offen sein für Begegnung mit IHM! Ob im lauten Lobpreis oder im leisen Flehen, ob im stillen Kämmerlein oder im großen Festgottesdienst - ER kann, will und WIRD Dir begegnen, wenn Du mit ganzem Herzen nach IHM suchst ... und Dich von IHM finden lässt!

Herzliche Grüße

Christoph

P.S.: um nach diesen langen Ausführungen ('Tschuldigung!) ganz kurz auf Deine einleitende Frage im Betreff zu antworten: Jesus Christus ist der Weg - wo ER ist, ist der Weg. Und: Du findest Gott, indem Du Dich von IHM finden lässt.

christoph

Re: Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von christoph » Mittwoch 8. Dezember 2010, 01:08

Ich habe noch einen Nachschlag: eine Predigt, die genau auf Deine Suche passt und die mich inhaltlich (nicht nur wegen der Manfred Siebald-Lieder) SEHR angesprochen hat:

http://www.ngue.info/team/mitarbeiter/a ... ?showall=1

Liebe Grüße

Christoph

Freund
Beiträge: 21
Registriert: Mittwoch 25. April 2007, 17:33

Re: Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von Freund » Freitag 10. Dezember 2010, 16:00

Hallo Raro,

Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott? Irgendwie bietet sich hier die doch etwas seltsame Antwort an: "Hier ist er!" oder "Dort ist er!". Der Herr sagte zu seiner Zeit sinngemäß, dass man diesen Stimmen nicht folgen sollte. Was aber meint das Wort? Sollen wir etwa nicht suchen? Was ist denn an diesen Aussagen so verkehrt; ist es doch nur eine Hilfe zum finden.

Ich denke, das Problem ist nicht seine Anwesenheit, sondern unsere Blindheit. Wir suchen ihn, weil wir ihn nicht sehen. Die Antworten "er ist hier" oder "er ist dort" lokalisiert ihn. Dieses verbirgt eine Exklusivität, die wir mit ihm Verbinden. Diese Exklusivität stammt aus unserer Herkunft, nahmen wir doch für uns in Anspruch, "Gotteswerk" zu sein. Wir hielten uns für solch einen exklusiven Offenbarungsort seiner Anwesenheit.

Zu Moses spricht der Herr: "Ich bin, der ich bin!" oder wie in einer anderen Übersetzung: "Ich bin da!". Nun, um es auf den Punkt zu bringen: Der Herr ist dort, wo sein Körper ist, in seiner Kirche! Wenn wir ihn dort nicht sehen, ist dies Ausdruck für unseren mangelnden Glauben. Stell Dich doch mal vor eine Kirche und lass das Wort in Dein Herz: "Ich bin Christus! Glaubst Du das?"

Diese Frage ist die Kardinalfrage an jeden, der Christus sucht!

Nun, wer ist seine Kirche? Die englischen Apostel antworteten darauf im großen Testimonium: Die Kirche Christi ist die Gemeinschaft aller auf den Namen des Vater, des Sohnes und heiligen Geistes getaufter Menschen. Dass wir ihn dort nicht mehr sehen und erkennen, zeigt nicht, wie schlimm es um die Kirche steht, sondern viel mehr, wie schlimm es um meinen Glauben steht.


Lieber Raro, versteh dies nicht als Vorwurf. Ich bin genauso auf der Suche gewesen, wie du, und ich war überrascht, was ich entdeckte, und ein wenig beschämt, wie wenig ich als so genannter versiegelter Christ von ihm und seinem Werk verstand.

Liebe Grüße

Freund

reniar

Re: Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von reniar » Dienstag 21. Dezember 2010, 11:23

Lieber Raro,

geradezu exemplarisch für das Suchen nach und das Finden von Gott steht das Gleichnis vom Verlorenen Sohn. Wir haben einen Vater, zwei Söhne und einen Hof. Einer der Söhne ist brav, er lebt nach dem Gesetz. Der andere Sohn ist aufsässig und verlässt mit seinem Erbe Vater, Bruder und Hof. Den weiteren Verlauf seines Schicksals kennen wir, er lässt es sich solange gut gehen, bis nichts mehr da ist, und er vollständig unter die Räder gerät. Am Ende aber reumütig erinnert er sich seines Vaters und kehrt zurück. Als der Vater sieht, wer da kommt, eilt er ihm entgegen, schließt ihn in die Arme, macht ein Fest, schlachtet ein Lamm(?) und gibt ihm den Siegelring. Prokura quasi. Der brave Sohn platzt vor Neid und fragt seinen Vater, warum er den verkommenen Bruder mit solchen außerordentlichen Privilegien versieht. Und was, antwortet der Vater: "Ich hatte einen Sohn, der war tot, und jetzt lebt er wieder."
Bevor ich jedoch mich an die Deutung dieses so oft gedeuteten Gleichnisses begebe und auch noch meinen vermeintlich überflüssigen Kommentar abliefere, möchte ich einer Interpretation entgegentreten, die ich als klugen Schachzug aus der Fraktion der "Braven" ansehe, nach der es in diesem Gleichniss weniger um den Sohn als vielmehr um den Vater geht, dessen überaus große Liebe über alle Sünden hinweg sieht und den Reumütigen wieder aufnimmt. Es mag sein, dass der Vater so ist, aber der Plot dieser Geschichte handelt von dem Sohn bzw. auch um seinen Bruder.

Im Vorfeld dieser folgenreichen Handlung des "verlorenen Sohnes", sieht die Situation aus der Sicht des Vaters für beide Brüder gleich aus. Er hat zwei Söhne, die beide ihre Pflicht tun und gehorsam den Hof unter seiner Regie führen. Das festzustellen ist insofern wichtig, als nun das Schicksal der Brüder in entgegengesetzte Richtungen führt und für den, der zu hause bleibt, sich nichts wesentliches ändert. Das sollten wir festhalten! (Ebenso den Umstand, dass der Vater später seinem braven Sohn keineswegs den Neid vorhält, sonder sehr sachlich die Wiedergeburt seines anderen Kindes feiert.) Warum ist mir das so wichtig? Weil dadurch deutlich wird, dass beide nicht mit dem Vater in der Form verbunden waren, wie es wünschenswert ist, denn andernfalls hätte er eben für beide das Fest bereitet und die diversen Insignien an die Brüder gemeinsam verteilt. Also, weil das nicht geschah, schließe ich daraus, dass zum Zeitpunkt der trauten, zweisamen Brüderlichkeit vor dem Weggang des einen Sohnes, beide im gleichen Zustand der Verantwortungslosigkeit und der Nichtnachfolge standen.
Der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt. Während der eine auf dem Hof seine Pflicht erfüllt, gerät der andere vollkommen aus den Fugen und unter den verhängnisvollen Einfluss seiner Wünsche und seines Begehren. Er verkommt soweit, dass er mit den Schweinen aus einem Trog frisst, was auf uns übertragen bedeutet, wir würden ganz tief fallen und alles verlieren, was wir hatten, als wir begannen, unser eigenes Leben zu führen. Wir sind dann nicht mehr derjenige, der als intakte Persönlichkeit den Hof verließ, unser Gefühlsleben würde unter dem Elend absterben und unsere Würde gäbe es ebenso nicht mehr. Was war also tot? Nicht seine Seele, nicht sein Selbst, sondern der fremde, ihm anerzogene Teil, den wir unsere Persönlichkeit nennen, mit all ihren Gefühlen, Urteilen und Gedanken. Da war von dem Sohn nichts mehr übrig geblieben. Der Prozess, den der junge Mann durchlebt hat, hatte jedoch eine reinigende Kraft, die dazu führte, als nichts mehr ging, und er vollkommen zerstört am Boden lag, dass seine Seele erwachte und den Weg zum Vater wieder fand. Und das ist für mich der entscheidende Punkt; eine Seele kann nur dann den Weg zu Gott finden, wenn kein persönlicher Überbau ihr die Tür verschließt.
Jesus wird in Unterstützung seines Gleichnisses, das ja zweifellos seine Meinung repräsentierte, an anderer Stelle noch deutlicher und radikaler:" Wer seine Mutter und seinen Vater nicht hasst, hat kein Teil an mir!"
Als der Vater seinen Sohn sah, eilte er ihm entgegen und erkannte: Er ist wiedergeboren!
Wenn ich die Situation wiederum auf uns übertrage, dann frage ich mich:"Wer sind wir?" Sind wir der, der sein Zuhause verlässt und durch die Hölle geht oder doch eher der, der pflichtbewusst sein Leben lebt?
Eine Antwort darauf zu geben, ist nicht leicht; drängt sich doch der Gedanke auf, dass aus der Betrachtung unseres eher braven Lebens eher schließen lässt, wir gehören zum Hof des Vaters. Andererseits verlangt das Leben von uns oft genug, unsere vermeintlich begehrende Seite zu leben, und das meistens mit großem Vergnügen. Also, ich denke, der Mensch ist eine Mischung aus beiden Brüdern, und Ziel sollte sein, den Anteil des 'Verlierenden' Sohnes so weit wie nur möglich zu leben.
Allerdings dieser Weg ist gefährlich, denn es ist keinesfalls sicher, das unsere Seele aus ihrem Tiefschlaf erwacht und den Weg zu Gott findet. High risk. Wenn man ihn geht, dann aber hellwach, das ist conditio sine qua non. Denn wenn wir weiter pennen, dann müssen wir den Weg wirklich über den Schweinetrog nehmen, und das ist richtig hart.
Also lieber Raro, willkommen im Leben. Gott wartet in dir auf dich. Pack deine Sachen und mache dich auf und werde Licht!
Schöne Weihnachten allerseits.

happy hippo
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Re: Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von happy hippo » Montag 11. Juli 2011, 11:43

Christoph:

Stellt sich die Frage: WO??? Wo soll ich suchen? Wo habe ich gute Chancen, IHM zu begegnen? Und da stellt sich mir - auch mir persönlich - immer wieder eine andere Frage: suche ich tatsächlich IHN? Oder suche ich mehr eine Bestätigung, wie ich IHN mir vorstelle, wie Gott nach meinem Dafürhalten zu wirken hat, wie die Auswirkungen des Geistes meiner Meinung nach sichtbar werden müssten? Das sind keine trivialen Fragen! Zu Jesu Zeiten gab es ganz bestimmte Vorstellungen über den Messias ... und diese Vorstellungen wurden bei der Konfrontation mit der real gewordenen Liebe Gottes in Christus Jesus erst einmal bitterlich enttäuscht. Nur diejenigen, die bereit waren, hinter ihre Erwartungen zu schauen, die konnten Christus wirklich erleben. - Und wir müssen heute genau so aufpassen, ob wir nicht unseren eigenen Erwartungen herjagen ... oder ob wir bereit sind, IHM zu begegnen. Vielleicht an ganz anderen Orten und unter ganz anderen Umständen, wie wir es erwartet hätten.

Volker hatte ein Lied erwähnt, mir fällt ein weiterer Liedtext (von Manfred Siebald) ein:

"Mancher findet Gottes Leute
nicht, wo er sich auf sie freute,
doch sie sind ihm sicher gar nicht fern -
manchmal nicht in großen Zahlen,
manchmal nicht in Kathedralen,
aber immer in der Nähe ihres HERRN."
Vielleicht ist er u.a. hier...

http://www.youtube.com/watch?v=FD1LXq0r ... re=related

http://www.fcghamm.de/aktuelles/rueckbl ... /index.php

zu finden...

LG
hh

Volker
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Re: Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von Volker » Dienstag 12. Juli 2011, 10:50

Oder vielleicht und hoffentlich auch hier: http://apostolisch.de/gemeinden ....

Volker

happy hippo
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Re: Wo ist der Weg? Wie finde ich Gott?

Beitrag von happy hippo » Dienstag 12. Juli 2011, 22:33

Aber sicher, Volker :!:

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