Wann ist ein Christ ein Christ?

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wihene
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von wihene » Samstag 9. März 2013, 20:29

Hallo Christoph, die Frage ist durchaus berechtigt. Wir können halt nur von Person zu Person denken. Ich weiß es nicht, ob ich mir Gott, diese unvorstellbare Kraft und Größe als Person vorstellen kann oder muss. Das fällt mir schwer. Es ist für mich auch etwas anderes, als Mensch hier auf der Erde jemanden zu lieben. Gott, das ist für mich eine ganz andere Dimension, das lässt sich nicht in Worte fassen und dieses Lieben ist etwas ganz anderes. Vielleicht ist es auch das falsche Wort. Ich bete gerne zu Gott und bin mir dabei meiner Begrenztheit bewusst. Er ist die höchste Autorität. Wenn Jesus Gott gefunden hat, dann ist das gefühlsmässig zu verstehen, nicht bildlich.

L.G. Willi

happy hippo
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von happy hippo » Sonntag 10. März 2013, 00:35

Hallo Christoph, Willi u. Alle,
ohne Jesus könnt ich mir, ehrlich gesagt, auch keinen Gott wirklich vorstellen. Da geht es mir wie Willi. Gott ist eine unvorstellbare Kraft und Größe :!: Die Priester konnten damals erst gar nicht in den Tempel hinein, weil GOTT drin war...
Alles was mit GOTT zu tun hatte, war so krass heilig, dass es nur ganz bestimmten geheiligten Menschen vorbehalten war, sich bspw. im Tempel um die Geräte oder gar die Opfer zu kümmern. Die "Stiftshütte" oder später der "Tempel" waren Orte, wo die Menschen GOTT näher kommen konnten... Die Gebete stiegen unter Räucherung von Kräutern etc. zum Himmel... und viele andere krasse Sachen passierten.
Gott war groß und mächtig und den meisten Menschen weit entfernt.

Aber das sollte nicht so bleiben.

ER sandte JESUS "vom Himmel herunter, wie damals, den Israeliten das "Manna" in der Wüste. Jesus war das "Brot vom Himmel". Dieses "Brot" sollte der Welt das Leben geben. Jesus sagte sogar, dass dieses Brot sein Fleisch sei, was die Menschen essen sollten und sie sollten sogar sein Blut trinken. Juden durften gar kein Blut zu sich nehmen. Alle geschlachteten Tiere mußten ausbluten. Blut war verboten, weil im Blut "die Substanz" ist, wußten sie. Und Jesus bot Sein Blut als Trank an...
ER sagte, dass Sein Fleisch und Sein Blut "ewiges Leben" schenkt, dem der an IHN glaubt. Das fanden viele Seiner Jünger auch nicht zum Aushalten. Das war damals nicht anders als heute.

Auf diese Weise aber wird GOTT für mich PERSON. Durch JESUS, der von GOTT ausgegangen ist, ist GOTT mein VATER, der mich liebt und den ich wiederlieben darf. Ich darf zu Seinem Fleisch und Blut gehören.
Joh. 16,27 denn er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von Gott ausgegangen bin.
28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.
Einen schönen und gesegneten Sonntag Euch Allen!
happy hippo

wihene
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von wihene » Sonntag 10. März 2013, 13:26

Hallo Happy Hippo !
Also diese unvorstellbare Kraft und Größe Gottes trennt mich nicht von ihm. Ich muss da keine Person hinter empfinden, das stört mich nicht. Das Jesus das ändert, in dem er Gott gleich gemacht wird, ist für mich nicht gegeben. Aber du weißt ja, dass ich da anders drüber denke. Einen Menschen als Gott in einem Gott zu sehen macht doch nichts einfacher.
Einen angenehmen Sonntag noch.

L.G.Willi

Gast
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von Gast » Sonntag 10. März 2013, 15:30

wihene hat geschrieben:Ich glaube an Gott, als eine für uns Menschen nicht vorstellbare Kraft und Größe
happy hippo hat geschrieben: Durch JESUS, der von GOTT ausgegangen ist, ist GOTT mein VATER, der mich liebt und den ich wiederlieben darf.
Aus Gal 4,4-6:

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn...damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!


Liebe Schwester "happy hippo",
d a s finde ich jetzt krass.

christoph

Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von christoph » Sonntag 10. März 2013, 19:39

Hallo Willi,
diese unvorstellbare Kraft und Größe Gottes trennt mich nicht von ihm
Nein, das ist es nicht. Was mich von Gott trennt, ist die Sünde. Und Jesus IST der Weg, diese Trennung zu überwinden. Er ZEIGT nicht den Weg, Er sagt NICHT, "ich habe den Weg gefunden", sondern Er sagt, "Ich BIN der Weg".

Im Liturgischen Kalender gab's in den letzten Monaten viele Worte aus dem Johannes-Evangelium. Für mich ist dieses Evangelium die Nagelprobe zum Thema dieses Threads. WER IST JESUS? Diese Frage muss jeder für sich beantworten, der die eingangs in diesem Thread gestellte Frage an sich heranlässt. WER IST JESUS - FÜR MICH? Und da hat speziell das Johannes-Evangelium einige heftige Aussagen auf Lager. Gerade die "Ich bin"-Aussagen Jesu fordern uns zur Stellungnahme heraus. Dazu gehören auch die folgenden Aussagen:

6,38: Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.
6,48: Ich bin das Brot des Lebens.
6,51: Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

Die Reaktion der Menschen darauf:
6,41: Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist,
6,42: und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: Ich bin vom Himmel gekommen?

Einige Verse davon waren Grundlage für die heutigen Gottesdienste ... mir fiel dabei wieder auf, wie polarisierend Johannes schreibt. Es geht um die Frage: Glaubst du das? (Joh 11,26b) Glaubst du, dass dieser Jesus der Christus ist, dass er Gottes Sohn / vom Himmel gekommen ist? Glaubst du, dass Er durch den Opfertod am Kreuz Schuld und Sünde überwunden hat? Wer das mit "Ja" beantworten kann, der ist in meinen Augen ein Christ.
Einen Menschen als Gott in einem Gott zu sehen macht doch nichts einfacher
Einfacher nicht, aber alles anders. Zu glauben und zu erkennen, dass durch die Sendung Jesu, der vom Himmel kam, der Weg zu Gott als Vater zugänglich gemacht wird, lässt "Religion Christentum" zum "Christ-Sein" werden. Das Befolgen von Jesu Lehre nicht als Voraussetzung zur Annahme bei Gott, sondern als Folge davon. DAS ist DER Unterschied zu allen anderen Religionen.

Sorry, ist ein bißchen länger geworden, aber mir lag's grad auf dem Herzen.

Einen guten Start in die Woche wünscht euch

Christoph

happy hippo
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von happy hippo » Sonntag 10. März 2013, 22:48

Christoph:
Zu glauben und zu erkennen, dass durch die Sendung Jesu, der vom Himmel kam, der Weg zu Gott als Vater zugänglich gemacht wird, lässt "Religion Christentum" zum "Christ-Sein" werden. Das Befolgen von Jesu Lehre nicht als Voraussetzung zur Annahme bei Gott, sondern als Folge davon. DAS ist DER Unterschied zu allen anderen Religionen.
AMEN! Damit bringst Du Alles auf den Punkt!

wihene
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von wihene » Dienstag 12. März 2013, 15:54

Hallo Christoph und Alle !
Wenn du das ehrlich glaubst, was du schreibst, ist das zu respektieren. Verantwortungslos finde ich, ist der Umgang mit dem Glauben nur, wenn er als "Wissen" und absolute "Wahrheit" transportiert werden soll.
Ich kann es so wie du es schreibst nicht glauben und fühle mich dennoch nicht von Gott getrennt, habe ja beide Wege versucht, allerdings ohne einen Exklusivgedanken und bin vor Jahren an dem Punkt angekommen, zu prüfen und zu hinterfragen was ich wirklich glaube und was ich einfach nicht glaube. Ich möchte da bei mir selbst bleiben. Das Vertrauen in so manche Predigt- und Gesprächsinhalte ist sehr weit gesunken. In den ersten rund 25 Jahren meiner apostolischen Zeit, davor kannte ich die Gemeinschaft nicht einmal vom Hörensagen, war die Gemeinschaft, Freundschaft und Aktivität in einer annähernd gleichaltrigen, großen Gruppe immer wieder ein schönes Erlebnis, Privat wie Kirchlich. Trotz der Exklusivität in den Lehrbüchern ( an die ich nie geglaubt habe ) hatte ich nie den Eindruck, dass dies so von irgendjemandem geglaubt wurde. Ausnahme die ältere Generation und da auch nicht alle. Nach einer Kirchenauszeit hat das Bußgebet der Apostel mich und auch meine Frau bestärkt, es noch einmal zu versuchen.
Doch es kam ein neuer Trend. Es ging immer mehr ins Evangelikale, Fundamentale. Das ist nicht meine Welt. Ich empfinde mich da nicht mehr Authentisch.
Es heißt immer, “ Jesus hat gesagt“. Es ist wohl ein Trugschluss, zu meinen, die Bibel transportiert uns das gesprochene Wort Jesu herüber. In Wirklichkeit ist da etwas interpretiert und ihm in den Mund gelegt worden. Noch krasser ist es, wenn gesagt wird, „Gott hat gesagt“. Jesus hat weder etwas selbst aufgeschrieben, noch etwas aufschreiben lassen. Ich frage mich, warum hat er für die Zeit danach nichts selbst in die Wege geleitet, wenn es von so tragender Wichtigkeit ist ? Es scheint doch so, das er tatsächlich seine Wiederkunft noch zu Lebzeiten der Jünger erwartet hat. So steht es ja auch in der Bibel. Oder er wurde einfach nur von seiner Nachwelt zu dem gemacht, was er gar nicht war, nämlich Gottes Sohn oder mit Gott wesensgleich. Wie wir wissen ist seine Wiederkunft nicht erfolgt und es verrennen sich bis in die heutige Zeit Menschen oder Organisationen mit solchen Vorhersagen. (Stammapostel Bischoff lässt grüssen)
Mehrere Jahrzehnte nach Jesus entstanden dann die Evangelien. Was ist da alles eingeflossen an Wunschdenken, Wahrheit, Idealismus, Verfälschung?
Die Gottessohnschaft wurde erst beim Konzil in Nicäa im Jahre 325 durch Kaiser Konstantin befohlen, der seinen Beschluss mit Gewalt durchsetzte und anders denkende umbringen ließ. Auch nicht sehr glaubwürdig.
Kann man das alles einfach so ausblenden ?

Ich stelle noch einen Link dazu ein


L.G. Willi

http://www.buchhandel.de/WebApi1/GetMmo ... 3941216532

wihene
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von wihene » Mittwoch 13. März 2013, 12:13

Hier noch ein Auszug aus dem unten beigefügten Link zum Exklusivgedanken.

Da Glaube generell etwas Fröhliches und Motivierendes sein sollte, ist es natürlich fatal, wenn genau dieser Glaube an ein stimmiges Weltbild, an einen Sinn hinter dem Ganzen, von der Angst überdeckt wird, etwas dabei falsch zu machen.

Die Annahme, sich für oder gegen die eine oder andere Sichtweise zu entscheiden könne falsch sein, ist dabei einfach unlogisch. Es wäre außerhalb Zentraleuropas oder Amerikas ein immenser Zufall, würde man sich für eine christliche Religionsgemeinschaft erwärmen – und dadurch als einer der wenigen aus seinem Land den Jackpot ziehen. Viel wahrscheinlicher ist es doch, man interessiert sich für die Religion, die um einen herum im Normalfall, wenn schon nicht gelebt, dann doch immerhin offiziell praktiziert wird. Die Chance auf einen Logenplatz im Himmelreich stiege somit mit der geographischen Nähe zur christlichen Kultur. Das hört sich aber gar nicht nach einem liebenden Gott an, das klingt wirklich eher nach lokalem Wahlkampf.


http://meineschuld.de/exklusive-religionen/

dp
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von dp » Mittwoch 13. März 2013, 18:03

Hallo "Wihene",
ich möchte aus der vorletzten Wortmeldung nur ein Teilthema aufgreifen:
Mehrere Jahrzehnte nach Jesus entstanden dann die Evangelien. Was ist da alles eingeflossen an Wunschdenken, Wahrheit, Idealismus, Verfälschung?
Die Gottessohnschaft wurde erst beim Konzil in Nicäa im Jahre 325 durch Kaiser Konstantin befohlen, der seinen Beschluss mit Gewalt durchsetzte und anders denkende umbringen ließ. Auch nicht sehr glaubwürdig.
Kann man das alles einfach so ausblenden ?
Ich stelle noch einen Link dazu ein
L.G. Willi
Zum Entstehen der Evangelien ist zu sagen, dass diese -in ihren Ursprüngen - schon recht bald entstanden, aber erst einige Jahre später redigiert und in die heutige Form gebracht worden sind. Dies ist in der neueren Literatur zur Entstehung der Evangelien hinreichend beschrieben. Die Meinung, erst Jahrzehnte nach Christi Himmelfahrt seien die Evangelien geschrieben worden, ist - abgesehen vom Evangelium nach Johannes, dem letzten lebenden Augen-und Ohrenzeugen - nicht richtig.
Die Gottessohnschaft war bereits im 1. Jahrhundert ein Thema, wurde in den judenchristlichen Gemeinden aber nicht in den termini der griechischen Philosophie behandelt. Aus der Umsetzung des Themas in die griechische Gedankenwelt ergaben sich in der Folge einige Fragestellungen, die zu einer Behandlung der Thematik mit den Begrifflichkeiten der griechischen Philosophie führten. Die dabei versuchte abstrakte Definition der Gottessohnschaft führte zu dem berühmten Streit zwischen zwei Begriffen, die schließlich durch den Kaiser autoritativ entschieden wurde. In der Sache glaubte die alte Kirche vor und nach dem Konzil von 325 aber nichts anderes als die früheren Gemeinden.
Die zitierten Aussagen zu Konstantin sind also unrichtig.
MfG
dp

wihene
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von wihene » Mittwoch 13. März 2013, 23:00

Lieber dp, wieviele Jahre sind "recht bald" und "einige Jahre später"?

Du schreibst einfach, die Meinung "ist falsch", das die Evangelien erst Jahrzehnte nach Jesu Tod geschrieben wurden. Natürlich wird man
schon vorher etwas verfasst haben, was aus mündlichen Überlieferungen zusammengetragen wurde. Aber alles war dennoch Jahre nach Jesu Tod.
Das es unterschiedliche Berichte und Ergebnisse über diese Jahreszahlen gibt ist sicher unbestritten.
Du schreibst auch "die Zitierten Aussagen zu Konstantin sind unrichtig".
Was bitte ist daran unrichtig, das der Beschluss im Jahre 325 endgültig gefasst wurde?
Das es in den Jahren zuvor schon reichlich Streit um das Wesen Jesu gegeben hat bestreitet doch niemand. Genau so wurde die Trinitätslehre ja im Konzil von Konstantinopel 381 beschlossen.


Planetwissen

Vier Evangelisten und vier Evangelien

Jesus selbst hat seine Lebensgeschichte nicht aufgeschrieben. Er hat weder weitere Schriften hinterlassen noch gibt es überlieferte Augenzeugenberichte. Frühestens 30 Jahre nach dem Tode Jesu wurde mit der Niederschrift der Evangelien begonnen. Bis dahin hat man die Geschichte Jesu mündlich überliefert. Die Verfasser der vier Evangelien waren eigenständige Autoren, keiner von ihnen hat einen bereits bestehenden Text korrigiert oder ergänzt. Vier Mal wird die Heilsgeschichte des Christentums erzählt. Jeder der vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes hat einen eigenen Blickwinkel und erzählt auf seine Weise vom Leben Jesu auf Erden.


http://webcache.googleusercontent.com/s ... clnk&gl=de

Gruß Willi

dp
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von dp » Donnerstag 14. März 2013, 11:49

Hallo wihene,
die nachfolgend zitierte Entgegnung, möchte ich zum Anlass nehmen, um noch einige Anmerkungen zu machen:
wihene hat geschrieben:Lieber dp, wieviele Jahre sind "recht bald" und "einige Jahre später"?

Du schreibst einfach, die Meinung "ist falsch", das die Evangelien erst Jahrzehnte nach Jesu Tod geschrieben wurden. Natürlich wird man
schon vorher etwas verfasst haben, was aus mündlichen Überlieferungen zusammengetragen wurde. Aber alles war dennoch Jahre nach Jesu Tod.
Das ist richtig. Wann genau die ersten Aufzeichnungen gemacht wurden, die später Grundlagen für die Evangelien wurden, weiss man nicht genau. Sicher ist aber, dass dies nicht erst Jahrzehnte später geschah, sondern wahrscheinlich bereits in der ersten Dekade nach Christi Himmelfahrt.
Das es unterschiedliche Berichte und Ergebnisse über diese Jahreszahlen gibt ist sicher unbestritten.
Du schreibst auch "die Zitierten Aussagen zu Konstantin sind unrichtig".
Was bitte ist daran unrichtig, das der Beschluss im Jahre 325 endgültig gefasst wurde?
Es ist richtig, dass das Konzil im Jahre 325 einige Beschlüsse fasste (und hierzu von Konstantin gezwungen wurde), wozu u. a. die offizielle und somit verbindliche Sprachregelung zur Frage der Gleichheit / Ähnlichkeit / Wesenhaftigkeit Jesu in Bezug auf Gott gehörte. (homousios / homoiusios; gezeugt oder hervorgegangen)
Das es in den Jahren zuvor schon reichlich Streit um das Wesen Jesu gegeben hat bestreitet doch niemand.
Sieht man von den Markioniten und einigen kleinen gnostischen Gruppen ab, so war es nur Arius mit seiner Lehre, die dem logos die wesenhafte Göttlichkeit absprach, der in Fundamentalopposition zur allgemeinen Lehre stand. Die Modalisten und Monarchianer vertraten hingegen jeweils spezifische Aspekte zur Trinitätslehre, ohne dabei die gemeinsame Grundlage in Frage zu stellen. Wenn man diese unterschiedlichen Betonungen in der Theologie "Streit" nennen will, gab es in der Tat Streit. Dieser ist aber durchaus mit dem "Streit" vergleichbar, der heute zwischen römisch-katholischer, evangelisch-lutherischer, reformierter und freikirchlicher Theologie z. B. zur Abendmahlslehre herrscht.
Genau so wurde die Trinitätslehre ja im Konzil von Konstantinopel 381 beschlossen.
Die Trinitätslehre stand in der alten Kirche - sieht man von den Häretikern ab - nie in Frage. In Konstantinopel wurde 381 "lediglich" der Beschluss gefasst, diese Lehre formal und sprachlich in den Formen der Konzilsbeschlüsse zu verankern.



Planetwissen

Vier Evangelisten und vier Evangelien

Jesus selbst hat seine Lebensgeschichte nicht aufgeschrieben. Er hat weder weitere Schriften hinterlassen noch gibt es überlieferte Augenzeugenberichte. Frühestens 30 Jahre nach dem Tode Jesu wurde mit der Niederschrift der Evangelien begonnen. Bis dahin hat man die Geschichte Jesu mündlich überliefert. Die Verfasser der vier Evangelien waren eigenständige Autoren, keiner von ihnen hat einen bereits bestehenden Text korrigiert oder ergänzt. Vier Mal wird die Heilsgeschichte des Christentums erzählt. Jeder der vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes hat einen eigenen Blickwinkel und erzählt auf seine Weise vom Leben Jesu auf Erden.


http://webcache.googleusercontent.com/s ... clnk&gl=de

Gruß Willi

Vielleicht helfen die obigen Differenzierungen weiter.
Grüsse
dp

christoph

Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von christoph » Donnerstag 14. März 2013, 13:14

Was ich in puncto "Überlieferung von Jesu Worten" immer irritierend finde: Siddharta Gautama beispielsweise hat ebenfalls nichts Schriftliches hinterlassen.
Berichte über das Leben Siddhartha Gautamas wurden erst nach seinem Tod von den Mitgliedern der Sangha, der Gemeinschaft der Dharma-Praktizierenden, gesammelt und über lange Zeit ausschließlich mündlich weitergegeben
(Wikipedia)
Und ich habe bisher selten gehört, dass die Lehren und Schriften Buddhas in dem Maße angezweifelt werden, wie dies gegenüber der schriftlichen Überlieferungen des Christentums = der Bibel (insb. NT) geschieht ... wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Wenn ja, warum?

Und wird ein Jesus, der als Mensch den Weg zu Gott fand (ohne die ihm zugeschriebenen Eigenschaften des Gottessohnes und des "Lammes", das durch seinen Opfertod für den einzelnen glaubenden Menschen die Trennung von Gott überwindet), nicht "nur" als eine westliche Art des Buddhas dargestellt? Siddharta bedeutet: "Der sein Ziel erreicht hat" ...

@Willi:
du schreibst:
Es wäre außerhalb Zentraleuropas oder Amerikas ein immenser Zufall, würde man sich für eine christliche Religionsgemeinschaft erwärmen – und dadurch als einer der wenigen aus seinem Land den Jackpot ziehen. Viel wahrscheinlicher ist es doch, man interessiert sich für die Religion, die um einen herum im Normalfall, wenn schon nicht gelebt, dann doch immerhin offiziell praktiziert wird. Die Chance auf einen Logenplatz im Himmelreich stiege somit mit der geographischen Nähe zur christlichen Kultur. Das hört sich aber gar nicht nach einem liebenden Gott an, das klingt wirklich eher nach lokalem Wahlkampf.
Das ist in meinen Augen zu einfach gesehen. Begründung:
1. So, wie du das schreibst, klingt es, als hätten ALLE Menschen auf der ganzen Welt eine religiöse Entscheidungsfreiheit. Das ist definitiv nicht der Fall. Diesen Fakt Gott in die Schuhe zu schieben, ist nun wirklich zu einfach.
2. Nur zur Komplettierung: in Afrika gibt's auch viele Christen ... und in Australien ... und in Asien ... und das trotz Verboten und Verfolgungen ...
3. Eigentlich geht es jetzt wieder in Richtung Prädestination und Entscheidungsfreiheit ... da muss ich doch mal einen eigenen Thread kreieren, denn das ist ein SEHR umfangreiches Thema ...
4. A propos Entscheidungfreiheit: wir gehen in unserer Gesellschaft bezüglich Religion oft davon aus (zumindest ist dies mein Eindruck), dass wir uns von einer "neutralen" Position aus für "Gut" oder "Böse" entscheiden können. Vor dem Hintergrund der christlichen Lehre ist dies ein Trugschluß. Das "Normale" ist die Dunkelheit (ist im Kosmos übrigens auch so), der Ausnahmefall ist das Licht. Nach der christlichen Lehre ist das "Verlorensein" der Normalfall (Thema "Erbsünde"), da wir Menschen in einer gefallenen, dem Tod geweihten Schöpfung leben. Gott schenkt uns die Möglichkeit, aus dieser Verlorenheit herauszukommen. Das IST Liebe. Aus der Perspektive von jemandem, der diesen Hintergrund kennt und für wahr hält.

Willi, ich kann und möchte dir nicht vorschreiben, was du glauben oder nicht glauben sollst, aber die in meinen Augen spöttische Bemerkung "das hört sich aber gar nicht nach einem liebenden Gott an" fand ich ein wenig deplatziert. Begründung siehe oben. Wenn du die unter 4. genannten Rahmenbedingungen (Normalfall Verlorenheit) nicht akzeptierst bzw. nicht akzeptieren kannst, bitte, kein Problem ... daraus aber abzuleiten, das christliche Verständnis eines Gottes der Liebe sei ein Trugschluß - das kannst du für dich so sehen, aber das von dir Zitierte wirkt auf mich genau so, wie du es selbst nicht haben möchtest:
Verantwortungslos finde ich, ist der Umgang mit dem Glauben nur, wenn er als "Wissen" und absolute "Wahrheit" transportiert werden soll.
Vielleicht ist das ja nur mein Empfinden, aber ich wollte dir das kurz als Feedback mitteilen.

Und ein Letztes: ja, wir haben die Gnade der regionalen Gegebenheiten, sprich, in einem christlich geprägten Abendland zu leben. Nur: was machen wir daraus??? In meinen Augen viel zu wenig. Glaube erschöpft sich im institutionalisierten Kirchenleben, vieles ist selbstverständlich, das Staunen über Gottes Liebe haben wir verlernt. Es ist interessant, Menschen zu treffen, die den Vorteil der regionalen Gegebenheiten NICHT hatten/haben und trotzdem, durch den Einsatz von engagierten Gläubigen, zum Glauben an Jesus finden. Die Freude, zur Freiheit in Christus gefunden zu haben, ist da oft überwältigend! Kein religiöses System mehr, das einem bis in die Details des Alltags genaue Vorschriften macht, oft in fanatischer Weise, mit der Begründung, das sei Gottes Wille und der einzige Weg, bei Gott Annahme zu finden ... und genau DAS ist der Unterschied, in meinen Augen, zwischen "Religion" Christentum und wirklichem Glauben bzw. "Christ-Sein". Und da haben wir im christlich-kirchlich geprägtem Abendland auch noch ein gutes Stück Wegs zurückzulegen, denn christlicher Glaube ist bei uns sehr "religionalisisert" ...

LG

Christoph

Disclaimer: die hier wiedergegebenen Äußerungen spiegeln die persönlichen Ansichten des Autors wieder. Sie sind keine offiziellen Verlautbarungen der Apostolischen Gemeinschaft, noch erheben sie den Anspruch der alleinigen Korrektheit. Der Autor gesteht jedem Menschen seine eigene Sicht der Dinge zu und freut sich über den Austausch über unterschiedliche Sichtweisen hier im Forum. Kontroverse Meinungen und Standpunkte stellen in keinem Fall einen Angriff auf die Persönlichkeit des jeweiligen Autors dar.

wihene
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Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von wihene » Donnerstag 14. März 2013, 13:47

Hallo Christoph, ich habe gerade nicht die Zeit näher auf etwas einzugehen.
Habe deinen Beitrag nur einmal schnell durchgelesen.
Möchte darauf hinweisen, das das Zitierte nicht von mir ist, sondern aus dem beigefügten Link.
Darauf habe ich aber hingewiesen.
Christoph hat geschrieben:Die Annahme, sich für oder gegen die eine oder andere Sichtweise zu entscheiden könne falsch sein, ist dabei einfach unlogisch. Es wäre außerhalb Zentraleuropas oder Amerikas ein immenser Zufall, würde man sich für eine christliche Religionsgemeinschaft erwärmen – und dadurch als einer der wenigen aus seinem Land den Jackpot ziehen. Viel wahrscheinlicher ist es doch, man interessiert sich für die Religion, die um einen herum im Normalfall, wenn schon nicht gelebt, dann doch immerhin offiziell praktiziert wird. Die Chance auf einen Logenplatz im Himmelreich stiege somit mit der geographischen Nähe zur christlichen Kultur. Das hört sich aber gar nicht nach einem liebenden Gott an, das klingt wirklich eher nach lokalem Wahlkampf.


http://meineschuld.de/exklusive-religionen/
Bis dann Gruß Willi

christoph

Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von christoph » Donnerstag 14. März 2013, 21:52

Hallo Willi,

das habe ich übersehen, ein fettes SORRY!!

Gruß

Christoph

christoph

Re: Wann ist ein Christ ein Christ?

Beitrag von christoph » Freitag 15. März 2013, 15:48

So, nach der Entschuldigung jetzt noch mal ein wenig differenzierter, nachdem ich mir den Link etwas näher angeschaut habe.

Der Verfasser des Blogs wendet sich allgemein gegen alle exklusivistischen Religionen. Er argumentiert, dass man entweder mit einer großen Belohnung locken oder mit einer großen Strafe drohen müsse, um Menschen zu einer Entscheidung zu motivieren. So weit, so menschlich - das ist in der Werbung heute nicht anders und ist in der menschlichen Psyche begründet. Er wendet sich strikt gegen die Verabsolutierung einer Heilslehre, von der es ja in den verschiedenen Religionen und Glaubensrichtungen jede Menge gibt. Kann ich bis hierhin durchaus nachvollziehen.

Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist die Ansicht, dass die "Eine Chance - eine Lösung"-Philosophie fragwürdig ist. Er verweist u.a. auf den Hinduismus, auf Reinkarnation und Seelenwanderung. Da frage ich mich allen Ernstes, was das soll. Der Autor hantiert mit Wahrscheinlickeiten. Direkt meine Gegenfrage: wie wahrscheinlich ist es, dass ich eine zweite Chance in einem zukünftigen Leben kriege? Was ist falsch daran, die jetzige Gelegenheit zu nutzen?? Was ist logischer, als Angst vor der falschen Entscheidung zu haben, eben weil ich nur diese eine Chance habe???

Ich muss zugeben: ich tue mich mit vielen Aspekten einer generellen Kirchenkritik schwer. Einfach, weil sie in meinen Augen nicht wirklich fundiert ist. Im christlichen Kontext wird es als großer Schwachpunkt gesehen, dass die überlieferten Schriften nicht ganz zeitnah festgelegt wurden. In anderen Religionen ist das kein Problem, auch nicht für die Kritiker der christlichen Kirchen. Ich habe den Eindruck (Vorsicht: persönliche Einschätzung ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit!), dass die negativen Seiten der Institution Kirche, insbesondere der römisch-katholischen Kirche, wie sie vor allem im Mittelalter aufgetreten sind und leider bis heute nachwirken, unreflektiert auf die Vergangenheit und auf die Gegenwart bezogen werden. Beispiel Konstantin: es wird unterstellt, dass hier Machtgedanken die entscheidende Rolle spielten, insbesondere seitens der Kirchenvertreter. Oder dass die Festlegung der Trinität ausschließlich auf die durchtriebenen Machenschaften hellenistisch orientierter Kirchenfunktionäre zurückzuführen ist. Oder dass die Zusammenstellung des biblischen Kanons ausschließlich bestimmten Interessengruppen geschuldet war. Oder dass jegliche Verlautbarung der Kirchen heute ausschließlich den eigenen Interessen und dem eigenen Machterhalt dienen. Oder ...

Beim Lesen was gemerkt? Eine so geartete Kirchenkritik ist in sich exklusivistisch. Ich habe bewusst mehrfach den Begriff "ausschließlich" verwendet, um das hervorzuheben. Diese Art von Kirchen- oder Glaubenskritik lässt eine andere Sichtweise als die eigene nicht zu, ist also in sich ebenfalls exklusivistisch, was sie doch gleichzeitig kritisiert. - Es ist ein Unterschied, ob ich diese generell kritische Grundhaltung als Möglichkeit in Betracht ziehe, oder ob ich andere Möglichkeiten gar nicht erst gelten lasse und meine kritische Grundhaltung als die einzig richtige Sehensweise indoktriniere. DAS ist exklusivistisch! Und mein persönlicher Eindruck ist, dass die Kritiker oftmals weitaus exklusivistischer sind als diejenigen, die ihren Glauben leben und ihre Überzeugungen verteidigen. Kann man auch in vielen Glaubensforen feststellen ...

Was in der Kirche Jesu Christi immer exklusiv bleiben wird, ist "der eine Weg zum Vater". Ich hab's schon verschiedentlich erwähnt: ich weiß nicht, ob ein Mensch ohne Jesus "verloren" ist (was immer man damit in Verbindung setzen mag). Ich weiß aber (aus eigener Glaubenserfahrung), dass ein Mensch mit Jesus "errettet" ist. Jesus Christus, der EINE Weg, um ohne eigene Vorleistung bei Gott angenommen zu werden. Ohne das Kennzeichen der anderen Religionen, Vorleistungen zu erbringen und sich abmühen zu müssen, um dann eventuell angenommen zu sein (oder auch nicht).

Und das ist kein Drohen mit Höllenfeuer, sondern eine in jeder Hinsicht freimachende "Frohe Botschaft".

Liebe Grüße

Christoph

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